Führung durch Steeg

von Rolf Jung

Steeg, seit der Gebietsreform 1969 Stadtteil von Bacharach mit heute rund 700 Einwohnern, ist einer der Orte des Viertälergebietes, d.h. seit dem Mittelalter gegen 1250 Dorf mit gewissen Stadtrechten wie z.B. dem Recht auf eigene Weinmärkte und Ortsbefestigung. Es zieht sich in 2 km Länge als Straßendorf mit meist nur einer einzigen Häuserzeile auf dem Talgrund am Bach entlang von Bacharach aus in westlicher Richtung und im rechten Winkel dazu als "Y" das sehr enge "Blüchertal" hinauf zum Hunsrück. Durch dieses Tal zog vor 200 Jahren der Generalfeldmarschall Blücher mit seinen preußischen Truppen nach seinem abenteuerlichen Rheinübergang in der Höhe von Kaub bei Eisgang und drängte Napoleon nach Westen zurück. Durch Steeg führte seit altersher die Paßstrasse zum Hunsrück, daher der Name, von "Steige", die im Osten in Bacharach gesichert war durch die Burg Stahleck, im Westen durch die Burg Stahlberg.

Die nach Süden hin geneigten Steilhänge sind überzogen mit Weinbergen, der nach Norden hin blickende Steilhang ist ohne Sonne und mit Wald bedeckt. Die Hangneigung von über 60 % ergeben in den Wingerten eine fast rechtwinklige Sonneneinstrahlung und das bei dunklem Schiefergestein, das besonders gut die Sonnenenergie speichert und sogar noch nach Sonnenuntergang Wärme an den Wein abgibt. So hat der "Steeger Riesling" weithin seinen guten Namen. Schon vor 900 n. Chr. wurde Riesling angepflanzt. So gehört Steeg zu den bekanntesten Weinorten am Mittelrhein. Und so konnte sich Steeg auch schon in der Frühgotik eine imposante Kirche leisten, im Schnittpunkt der "Y"-Achsen. Ihr ungewöhnlicher Baukörper lässt eine bewegte Baugeschichte erahnen. Ein "Winand von Steeg" war kurz nach 1400 einmal Sekretär des deutschen Königs Siegmund. Im 30-jährigen Krieg und in den Pfälzer Erbfolgekriegen Ludwig XIV. hatte der Ort zu leiden.

Die Dorfbewohner lebten vom Weinbau, betrieben Landwirtschaft auf den Terrassenhöhen (beides ein mühsames Geschäft) und von Waldnutzung. Früher mussten hier alle Lasten auf dem Rücken, auf dem Kopf oder mit Eseln hinaufgebracht werden, was dem Ort den Spitznamen "Steeger Esel" eintrug. Bei geringen Erträgen wurde jedes kostbare Eckchen Erde der oft winzigen Wingertchen ausgenutzt, was der mechanisierten Bewirtschaftung wich. In einer Flurbereinigung wurden vor 40 Jahren größere Flächen erschlossen durch moderne Wirtschaftsstraßen in mehreren Etagen, befahrbar mit Traktoren. Durch hochgezüchtete Erträge und eine enorm geschrumpfte Zahl der Winzerbetriebe entstehen jährlich neue Brachflächen außerhalb der Kernlagen.

Es wird unter den Bewohnern ein nachbarschaftlicher Zusammenhalt gepflegt: In 9 "Nachbarschaften", entstanden aus Brunnengemeinschaften, man findet sich in mehreren z.T. sehr rührigen Vereinen wie dem weitgefächerten Sportverein zusammen, dem Wildparkverein mit seinen tatkräftigen Einsätzen zur Sauberhaltung nicht mehr genutzter Wiesenhänge. Steeg feiert im Juni ein eigenes Weinblütenfest, bietet mehrere Gastronomiebetriebe und Ferienmöglichkeit auf dem Land. Der Ort bietet endlose Wanderwege sowohl im sonnenbeschienenen Weinhang als auch in schattigen Waldhängen ebenso wie auf ebenen Waldwegen auf den Höhen zum Hunsrück hin, von der Talsohle mit 100 m über NN aus bis hinauf auf 100 m höher gelegenen ebenen Terrassen mit faszinierenden Ausblicken auf den Rhein, ausgedehnte Wälder in 400 m Höhe, insgesamt eine malerische, idyllische Landschaft.