St. Anna-Kirche

von Rolf Jung

Ungewöhnlich für eine ev. Kirche ist, dass sie nach einer Heiligen benannt ist, denn die Bedeutung der Heiligen wurde seit der Reformation für die ev. Kirche abgeschafft. St. Anna war die Schutzheilige u.a. für die Bergleute, wie auch Luther als Bergmannssohn einmal in einer Not - als ein Blitz neben ihm einschlug - die heilige Anna um Hilfe anrief mit dem Versprechen "Hilf, heilige Anna, ich will ein Mönch werden!".

Außer der St. Anna-Kirche gab es auf dem jetzigen Steeger Friedhof eine Kapelle St. Jost, was noch im Namen der Weinlage erhalten ist, auf der Borbach gab es ein "Heiligenhäuschen", was ebenfalls ein Flurname noch verrät, und bei der alten Mühle ein größeres Stift für Alte, von Mönchen betreut (Mönchsrinne).

Baubeginn der Steeger Kirche war um 1350, demnach im gotischen Baustil nach der Bauweise der damaligen Zeit erbaut. Sie wurde nicht so erbaut, wie sie uns heute erscheint. Man hat die Kirche je nach Vergrößerung der Steeger Gemeinde immer wieder erweitert. Das verrät schon die verzwickte Dachkonstruktion. Im Innern der Kirche sind - zwar jetzt kaum noch erkennbar - Gemälde aus der Zeit um 1400, wahrscheinlich gemalt von dem berühmten Winand von Steeg, der Pfarrer für die Bacharacher Gemeinden war.

Während des 30 jährigen Krieges, der ja ausgebrochen war als Religionskrieg zwischen Katholiken und Protestanten, von 1618-1648 dauerte und Deutschland als Wüste zurückließ, wurde Bacharach und das Vierthälergebiet 8 mal von feindlichen Truppen erobert. Am 29. Juni 1645 überfiel eine spanische Reiterschar aus Frankenthal morgens gegen 8 Uhr die in der Kirche zum Gottesdienst versammelte Steeger Gemeinde. Am linken Pfeiler des Mittelschiffs steht heute noch in dem angeschriebenen Bericht zu lesen:

"... Ein Spanisch Partej
Sturmtn in die Kirch rasend Zur Hand
mit gschrey schießen und schlagen
Drey Buerger sie gleich schossen tod
und andre hart Verwunden
mich Johann Heßen auch traff die noth
als ich in Stuhl hier stunde
Fuenffzehen Wunden ich bekam
am Leib mit Grosen Schmertzen
An beyde Haend und arm
welchs hier bezeugt Ohn schertzen
Mein und der andern Buerger blut
so Zu Gott schreit um rache
Die gottloß Rott noch weiter wuth
Willens aerger zu machen
beraubten beydes Jung und alt
der Kinder auch nicht schonten
Gefangen Hinweg mit gewalt
Sie nahmen wen Sie konten ...".
Der Pfarrer jedoch in seinem Predigtstuhl versteckt blieb unentdeckt.